„Beeindruckende Schicksale“

Filmemacherin Andrea Rothenburg stellt in „Plan B.“ drei Frauen - Biographien und Krisen vor

Berlin, Urania. Im Kulturzentrum in Steinwurfnähe des Kurfüstendamms ist Filmpremiere. „Plan B – Aus der psychischen Krise zum persönlichen Gewinn“ ist der Titel des Streifens, den die Filmemacherin Andrea Rothenburg produziert hat. Dieser Film erzählt über drei Frauen und ihre seelischen Leiden, ihren Umgang und vor allem ihr Zurechtkommen damit. Es ist eine besondere Atmosphäre, die sich am Abend der Uraufführung entwickelt. Dies kommt nicht nur dadurch zustande, dass der Film „Plan B – Aus der psychischen Krise zum persönlichen Gewinn“ nicht nur ein bewegendes, gar anrührendes Werk ist. Diese Stimmung zeigt sich in der Präsenz der Protagonistinnen Maike Nordmann, Heike Korthals und Manu B. inmitten der neugierigen Zuschauerinnen und Zuschauer.

Es sind beeindruckende Schicksale, die vor der Kamera von Andrea Rothenburg erzählt werden. Mit einer großen Empathie scheint Andrea Rothenburg vorgegangen zu sein. Nicht anders ist zu erklären, dass Heike, Maike und Manu sich in die Seele blicken lassen. Wenn Manu erzählt, dreht sich bei jedem Zuhörer und jeder Zuhörerin der Magen um. Sie ist vor einigen Jahren in einem Hamburger Krankenhaus von einem Krankenpfleger missbraucht worden. Mit sedierenden Medikamenten hat er sich Manu gefügig gemacht. Manu erzählt nüchtern von einer Erfahrung, die ihr ganzes Leben verändert hat. Sie ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass ein Zurechtkommen mit einem traumatischen Erleben nicht zwingend in die Mühlen psychiatrischer und psychotherapeutischer Versorgung führen muss. Sie wirkt als starke Persönlichkeit, die immer wieder durchblicken lässt, dass mancher Weg mühsam ist, sich das Leben trotzdem zufrieden leben lässt.

Eine ganz andere Geschichte erzählt Heike, die die Zuschauerinnen und Zuschauer an ihren psychotischen Erfahrungen teilhaben lässt. Nicht nur in dem 90 Minuten dauernden Film wird ihre einnehmende Persönlichkeit spürbar. Wenn sie auf der Bühne des Kleist-Saals in der Berliner Urania steht, ist sie eine Sympathieträgerin. Jede Zuschauerin und jeder Zuschauer würde sicher entschuldigen, wenn sie während eines psychotischen Schubs polternd und grenzüberschreitend unterwegs wäre.

Maike erlebt immer wieder depressive Episoden. Sie berichtet, wie schwierig das Leben mit Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit ist. Sie erzählt von einer problematischen Kindheit und Jugend, aber auch davon, wie schwer es erscheint, die Schuld auf Mutter oder Vater zu schieben.

Der Film „Plan B“ lebt nicht nur von den Persönlichkeiten. Er lebt gleichzeitig von den Bildern. Andrea Rothenburg hat die drei Frauen in den unmittelbaren Umgebungen in den Blick genommen, in denen sie auch leben. So wird nicht nur der Charme der Frauen spürbar. Nein, der Reiz eines Großstadtlebens in Berlin oder Hamburg, aber auch des provinziellen Daseins in Bad Segeberg wird nachvollziehbar. Es erscheint stimmig, wie Andrea Rothenburg die Menschen in den unmittelbaren Lebensumgebungen einfängt. Der Lärm befahrener Straßen hat genauso seinen Platz wie das Rauschen des Windes über schleswig-holsteinischen Äckern.

Die psychiatrische Chefärztin am Zentrum für Seelische Frauengesundheit der Vivantes Humboldt – Klinik, Prof. Krüger, hat es sich nicht nehmen lassen, der Uraufführung beizuwohnen. Sie hat betroffene Menschen, aber auch die Menschen in deren Umgebung ermutigt, sich nicht unterkriegen zu lassen, sich immer wieder in das Leben zurück zu kämpfen. Es hat gut getan, solche Einfühlsamkeit zu hören. Für die Filmemacherin Andrea Rothenburg ist es sicher auch ein Anstoß gewesen, mit solchen Filmen weiterzumachen. Auf die Frage, wieso sie positive Filme über die Psychiatrie mache, antwortete sie: „Ich möchte Menschen Mut machen, sich Hilfe zu holen und das schräge Bild, das in der Öffentlichkeit herrscht, etwas gerade rücken. Es gibt so viel Ungerechtigkeit in dieser Welt. Es lohnt sich, für das Gute zu kämpfen. Und ich kann es einfach nicht lassen, positive Filme zu drehen.“

In diesem Sinne sind noch viele Filmpremieren an ausgewiesenen Orten mit Andrea Rothenburg zu erwarten. Hoffentlich.

Christoph Müller



Der Erscheinungstermin des Films auf DVD ist der 25.11.2015. Während des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), der vom 25. bis 28. November 2015 in Berlin stattfindet wird der Film auch zu sehen sein.

→ http://www.psychiatrie-filme.de/Plan_B.html

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