„Psychiatrische Kompetenz braucht es an vielen Orten“

Neue Fachzeitschrift für psychiatrisch Pflegende geht an den Start

Schlicht und einfach ist der Titel der neuen Fachzeitschrift, die ab Januar 2016 im Hogrefe – Verlag erscheinen wird: „Psychiatrische Pflege“. Der Name ist neu. Das Team, das sich um das Profil der Fachzeitschrift „Psychiatrische Pflege“ mühen wird, ist bewährt. Der Herausgeber Professor Michael Schulz, Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrische Pflege an der Fachhochschule für Diakonie in Bielefeld, hat Doro Sauter und Gianfranco Zuaboni, Professor Sabine Hahn und Bruno Hemkendreis sowie Professor Michael Löhr für den Fachbeirat gewinnen können. Zuversichtlich schauen Michael Schulz und seine Mannschaft in die Zukunft. „Wir sind neugierig auf das neue Projekt und vom Erfolg überzeugt“, spitzt er zu. Nachdem er als Herausgeber und sein Fachbeirat im Dezember 2014 aus denselben Funktionen bei der mehr als zwanzig Jahren alten „Psych Pflege Heute“ (Thieme-Verlag) zurückgetreten sind, stellen sie sich dem Wettbewerb um die Gunst des Fachpublikums. Die Zeitschrift „Praxiswissen Psychosozial“, die fünf Jahre lang im Friedrich Verlag erschienen ist, wird eingestellt. Die Zeitschrift „Psych Pflege Heute“ wird seitens des Thieme-Verlags weitergeführt. Als Verbandsorgan fungiert die „Psychiatrische Pflege“ ab dem ersten Heft. Christoph Müller hat das Gespräch mit Michael Schulz gesucht, um mehr über das neue Blatt zu erfahren.

CM: Was  wird das Profil der Zeitschrift „Psychiatrische Pflege“ ausmachen ? Was wird das neue Magazin von den schon bekannten Heften unterscheiden ?

MS: Wie der Titel schon vermuten lässt, fokussiert die Zeitschrift auf das Feld der Psychiatri-schen Pflege. Dabei ist es uns wichtig, dass wir das weite Feld, in denen diese Profession tätig ist, nach und nach immer weiter ausleuchten. Psychiatrische Pflegekompetenz braucht es ja nicht nur in psychiatrischen Kliniken, sondern auch in Altenheimen, somatischen Krankenhäusern, in der Forensik, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und an vielen anderen Orten, die hier nicht alle aufgezählt werden sollen. Eine Fachzeitschrift ist ein wichtiges Organ einer Berufsgruppe und „gehört“ in erster Linie der Berufsgruppe. Als Herausgeberteam sehen wir unsere Aufgabe darin, Raum für professionelle Diskurse zu schaffen und LeserInnen eine Heimat zu geben. Es soll ein Ort sein, an dem Fragen des Berufsalltags thematisiert werden und ein Ort, wo Themen angesprochen werden, die vielleicht aktuell noch nicht Thema unseres Berufsalltages sind. Diese Zeitschrift wird das Organ der Deutschen Fachgesellschaft für Psychiatrische Pflege – DFPP. Das unterscheidet diese Fachzeitschrift z.B. von anderen. Alles muss sich zeigen. Wir glauben, dass wir ausreichend Ideen und Kontakte haben, um eine Zeitschrift zu gestalten, die gelesen wird, deren Inhalte Impulse für die fachliche Weiterentwicklung liefert, die Spaß macht und die einen Beitrag für eine bessere Versorgung der Menschen zur Folge hat, deren pflegerische Versorgung obliegt. Von daher werden wir auch die Perspektive der Betroffenen und der Bezugspersonen bzw. Angehörigen konsequent mit einbeziehen. Stolz sind wir auf darauf, dass im Herausgeberteam Schweizer und Deutsche zusammenarbeiten. So lassen mehr Perspektiven abbilden und das hat bei uns an anderem Ort schon ganz gut geklappt. Ob und wie sich diese Fachzeitschrift von anderen Heften unterscheidet, werden wir sehen, wenn ein paar Ausgaben vorliegen. 

CM: Wieso probieren Sie die psychiatrisch Pflegenden über eine Zeitschrift zu errei-chen ? Wird es Angebote geben, die ausschließlich über das Internet erreichbar sind ?

MS: Als Tätige der Psychiatrischen Pflege nutzen wir unterschiedliche Möglichkeiten, um mit Menschen aus unserem Feld in Kontakt zu kommen. Das können Kongresse sein oder Gruppen im Internet oder aber eine Fachzeitschrift. Eine Fachzeitschrift erfüllt wichtige Aufgaben, die nicht durch das Internet nicht bedient werden können. Neben dem Erlebnis, dass man sie anfassen, durchblättern oder am Arbeitsplatz auslegen kann, stellt sie die auch die Möglichkeit dar, als Fachorgan Positionen und Nachrichten zu verbreiten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sammlung von Wissen, die dann aus der Fachzeitschrift heraus auch als Ergebnis von Rechercheprozessen im Internet gefunden werden können.  Gleichwohl wachsen Fachzeitschriften und Internet immer mehr zusammen und hier sind wir froh, mit dem Hogrefe Verlag einen Partner gefunden haben, der auch in der digitalen Welt eine hohe Kompetenz hat und entsprechende Strukturen aufweist. Die Inhalte der Zeitschrift werden natürlich auch digital zur Verfügung stehen. Im Hinblick auf interaktive Elemente -  Stichwort WEB 2.0, können wir uns natürlich allerhand vorstellen. Zunächst muss aber erst mal die Zeitschrift auf das Gleis gebracht werden.

CM: Vom Reflektieren der gelebten Praxis und dem Setzen von Impulsen wird in einer Pressemitteilung geschrieben, die Sie gemeinsam mit dem Hogrefe-Verlag her-ausgegeben haben. Werden Sie ruhig konkreter.

MS: Psychiatrische Pflege hat in Deutschland einen ungeheuren Schatz an Erfahrung und notwendigem Wissen für eine fachlich gute Versorgung der Bevölkerung. Diesen Schatz gilt es zu heben. Psychiatrische Pflege hat auf der anderen Seite – wie die Pflege in Deutschland insgesamt – lange Jahrzehnte hinter sich, in denen es so gut wie keinen Kontakt zur Psychiatrischen Pflege als wissenschaftliche Disziplin gab und auch der internationale Austausch mit Kolleginnen und Kollegen nicht sonderlich befördert wurde. Ein Ziel unserer Fachzeitschrift besteht von daher auch im Zusammenbringen von Praxiserfahrung und wissenschaftlicher Literatur, sozusagen einer Verbindung von interner und externer Evidenz.

CM: Sie haben in den vergangenen Jahren immer wieder gesagt, eine Zeitschrift für psychiatrisch Pflegende muss die breite Masse ansprechen und vor allem auch abbilden. Wieso fällt es so schwer, die Ausbildungsstätten, die Weiterbildungs-akademien und die Fachhochschulen mit ins Boot zu bekommen ?

MS: Ich kann nicht erkennen, dass es in der Vergangenheit nicht gelungen ist, Ausbildungsstätten und Weiterbildungsakademien mit ins Boot zu bekommen. Aber da sind wir auch wieder so ein bisschen bei dem Punkt den wir eben schon hatten. Letztendlich ist eine Fachzeitschrift das, was die Berufsgruppe draus macht. Am Ende werden vor allem jene Artikel dort erscheinen, die aus der Berufsgruppe heraus geschrieben werden. Vor diesem Hintergrund würde ich mich freuen, wenn auch Bildungsinstitute die Plattform der Fachzeitschrift dafür nutzen, über Inhalte der Psychiatrischen Pflege aber auch von Bildungsaspekten in der Psychiatrischen Pflege den Diskurs der Fachöffentlichkeit suchen.

CM: Wann wird die „Psychiatrische Pflege“ zu welchem Preis erscheinen ?

MS: Los geht es 2016, den tatsächlichen Preis kenne ich aktuell noch nicht.  

CM: Herr Professor Schulz, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

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